WINTERREISE 2017

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Texts and Translations

Franz Schubert: Winterreise, D. 911

Poetry by Willhelm Müller

English translations by William Mann, used here with permission

Translations from the booklet of Thomas Hampson’s recording of Winterreise

EMI Classics, 1997

Winterreise

1. Gute Nacht

2. Die Wetterfahne

3. Gefrorne Tränen

4. Erstarrung

5. Der Lindenbaum

6. Wasserflut

7. Auf dem Flusse

8. Rückblick

9. Irrlicht

10. Rast

11. Frühlingstraum

12. Einsamkeit

13. Die Post

14. Der greise Kopf

15. Die Krähe

16. Letzte Hoffnung

17. Im Dorfe

18. Der stürmische Morgen

19. Täuschung

20. Der Wegweiser

21. Das Wirtshaus

22. Mut!

23. Die Nebensonnen

24. Der Leiermann

1. Gute Nacht

Fremd bin ich eingezogen,

Fremd zieh’ ich wieder aus.

Der Mai war mir gewogen

Mit manchem Blumenstrauß.

Das Mädchen sprach von Liebe,

Die Mutter gar von Eh’, ‐

Nun ist die Welt so trübe,

Der Weg gehüllt in Schnee.

Ich kann zu meiner Reisen

Nicht wählen mit der Zeit,

Muß selbst den Weg mir weisen

In dieser Dunkelheit.

Es zieht ein Mondenschatten

Als mein Gefährte mit,

Und auf den weißen Matten

Such’ ich des Wildes Tritt.

Was soll ich länger weilen,

Daß man mich trieb hinaus?

Laß irre Hunde heulen

Vor ihres Herren Haus;

Die Liebe liebt das Wandern ‐

Gott hat sie so gemacht ‐

Von einem zu dem andern.

Fein Liebchen, gute Nacht!

Will dich im Traum nicht stören,

Wär schad’ um deine Ruh’,

Sollst meinen Tritt nicht hören ‐

Sacht, sacht die Türe zu!

Ich schreibe nur im Gehen

An’s Tor noch gute Nacht,

Damit du mögest sehen,

An dich hab’ ich gedacht.

1. Goodnight

A stranger I arrived here,

a stranger I go hence.

Maytime was good to me

with many a bunch of flowers.

The girl spoke of love,

her mother even of marriage.

Now the world is dismal,

the path veiled in snow.

For my journey I cannot

choose my own time;

I must pick the way myself

through this darkness.

My mooncast shadow acts

as my companion

and on the white meadow

I look for deer’s footprints.

Why should I stay longer

until they drive me away?

Let stray dogs howl

outside the master’s house.

Love loves to rove—

God made it so—

from one to the next.

Sweetheart, goodnight!

I will not disturb your dreams:

that would spoil your rest.

You must not hear my footsteps—

soft, softly shut the doors!

As I leave I shall write

‘Goodnight’ upon the gate for you,

so that you may see

I have been thinking of you.

2. Die Wetterfahne

Der Wind spielt mit der Wetterfahne

auf meines schönen Liebchens Haus.

Da dacht ich schon in meinem Wahne,

sie pfiff den armen Flüchtling aus.

Er hätt’ es ehr bemerken sollen,

des Hauses aufgestecktes Schild,

so hätt’ er nimmer suchen wollen

im Haus ein treues Frauenbild.

Der Wind spielt drinnen mit den Herzen

wie auf dem Dach, nur nicht so laut.

Was fragen sie nach meinen Schmerzen?

Ihr Kind ist eine reiche Braut.

2. The Weather‐Vane

The wind plays with the weather‐vane

on my fair sweetheart’s house.

In my confusion I thought

its whistling mocked this wretched

fugitive.

He should have noticed sooner

the emblem set upon the house;

then he would never have tried to look

for faithful womanhood within.

Indoors the wind plays with hearts

as on the roof, but not so loudly.

What do they care for my sorrows?

Their child is a rich bride.

3. Gefror’ne Tränen

Gefror’ne Tränen fallen

von meinen Wangen ab:

Ob es mir denn entgangen,

daß ich geweinet hab’?

Ei Tränen, meine Tränen,

und seid ihr gar so lau,

daß ihr erstarrt zu Eise

wie kühler Morgentau?

Und dringt doch aus der Quelle

der Brust so glühend heiß,

als wolltet ihr zerschmelzen

des ganzen Winters Eis!

3. Frozen Tears

Drops of ice are falling

from off my cheeks:

did I not notice, then,

taht I have been crying?

O tears, my tears,

are you so tepid then

that you turn to ice

like cold morning dew?

Yet you spring from your source

in my breast so burning hot

that you should melt

a whole winter’s ice!

4. Erstarrung

Ich such’ im Schnee vergebens

nach ihrer Tritte Spur,

wo sie an meinem Arme

durchstrich die grüne Flur.

Ich will den Boden küssen,

durchdringen Eis und Schnee

mit meinen heißen Tränen,

bis ich die Erde seh’.

Wo find’ ich eine Blüte,

wo find’ ich grünes Gras?

Die Blumen sind erstorben

der Rasen sieht so blaß.

Soll denn kein Angedenken

ich nehmen mit von hier?

Wenn meine Schmerzen schweigen,

wer sagt mir dann von ihr?

Mein Herz ist wie erfroren,

kalt starrt ihr Bild darin:

Schmilzt je das Herz mir wieder

fließt auch das Bild dahin.

4. Numbness

Vainly I search in the snow

for the footprint she left

when arm in arm with me she

rambled over the green meadow.

I want to kiss the ground,

pierce through ice and snow

with my hot tears

until I see the soil beneath.

Where shall I find a blossom,

where find green grass?

The flowers are dead,

the grass looks so wan.

Can there be no keepsake, then,

to carry away with me?

When my sorrows fall silent,

what shall tell me of her?

My heart is as good as frozen;

within it her image gazes coldly.

If ever my heart thaws again,

her image too will melt away.

5. Der Lindenbaum

Am Brunnen vor dem Tore,

da steht ein Lindenbaum:

Ich träumt in seinem Schatten

so manchen süssen Traum.

Ich schnitt in seine Rinde

so manches liebe Wort;

es zog in Freud’ und Leide

zu ihm mich immer fort.

Ich mußt’ auch heute wandern

vorbei in tiefer Nacht,

da hab’ ich noch im Dunkel

die Augen zugemacht.

Und seine Zweige rauschten,

als riefen sie mir zu:

Komm her zu mir, Geselle,

hier find’st du deine Ruh’!

Die kalten Winde bliesen

mir grad ins Angesicht;

der Hut flog mir vom Kopfe,

ich wendete mich nicht.

Nun bin ich manche Stunde

entfernt von jenem Ort,

und immer hör’ ich’s rauschen:

Du fändest Ruhe dort!

5. The Lime Tree

By the well at the town gate

there stands a lime tree;

in its shadow I have dreamed

full many a sweet dream.

On its bark I have carved

full many a loving word.

In joy and sorrow it drew

me to it again and again.

Just now my journey took me

past it at dead of night,

and even in the darkness

I had to close my eyes.

And its branches rustled

as if they were calling to me:

“Come here to me, lad,

here you will find your rest”!

The chill winds blew

straight in my face:

my hat flew off my head.

I did not turn back.

Now I am many hours

distant from that place;

yet still I hear the rustling:

“There you would have found rest”.

6. Wasserflut

Manche Trän’ aus meinen Augen

ist gefallen in den Schnee;

seine kalten Flocken saugen

durstig ein das heiße Weh.

Wenn die Gräser sprossen wollen

weht daher ein lauer Wind,

und das Eis zerspringt in Schollen

und der weiche Schnee zerrinnt.

Schnee, du weißt von meinem Sehnen,

Sag’ mir, wohin doch geht dein Lauf?

Folge nach nur meinen Tränen,

nimmt dich bald das Bächlein auf.

Wirst mit ihm die Stadt durchziehen,

munt’re Straßen ein und aus;

Fühlst du meine Tränen glühen,

da ist meiner Liebsten Haus.

6. Torrent

Many a tear from my eyes

has dropped into the snow.

Its chilly flakes suck

thirstily up my burning woe.

When the grass begins to shoot,

a warm breeze will blow there,

and the ice will melt in torrents

and the snow will dissolve.

Snow, you know of my longing:

say, which way will you flow?

Just follow my tears:

their stream will soon carry you away.

You will course the town with them,

in and out of cheerful streets.

When you feel my tears grow warm,

that will be my sweetheart’s house.

7. Auf dem Flusse

Der du so lustig rauschtest,

du heller, wilder Fluß,

wie still bist du geworden,

gibst keinen Scheidegruß.

Mit harter, starrer Rinde

hast du dich überdeckt,

liegst kalt und unbeweglich

im Sande ausgestreckt.

In deine Decke grab’ ich

mit einem spitzen Stein

den Namen meiner Liebsten

und Stund und Tag hinein:

Den Tag des ersten Grußes,

den Tag, an dem ich ging;

um Nam’ und Zahlen windet

Sich ein zerbrochner Ring.

Mein Herz, in diesem Bache

erkennst du nun dein Bild?

Ob’s unter seiner Rinde

Wohl auch so reißend schwillt?

7. At the River

You who so merrily babbled,

clear, wild stream,

how silent you have become:

you give no greeting as we aprt.

With hard, stiff hoar

you have covered yourself;

you lie cold and motionless,

stretched out in the sand.

On your crust I carve

with a sharp stone

the name of my beloved

and the hour and the day.

The day I first met her,

the day I went away;

round name and figures winds

a broken ring.

In this brook, my heart,

do you now recognize your likeness?

Under its crust

is there a roaring torrent too?

8. Rückblick

Es brennt mir unter beiden Sohlen,

Tret’ ich auch schon auf Eis und Schnee,

Ich möcht’ nicht wieder Atem holen,

Bis ich nicht mehr die Türme seh’.

Hab’ mich an jeden Stein gestoßen,

so eilt’ ich zu der Stadt hinaus;

die Krähen warfen Bäll’ und Schloßen

auf meinen Hut von jedem Haus.

Wie anders hast du mich empfangen,

du Stadt der Unbeständigkeit!

An deinen blanken Fenstern sangen

die Lerch’ und Nachtigall im Streit.

Die runden Lindenbäume blühten,

die klaren Rinnen rauschten hell,

und ach, zwei Mädchenaugen glühten. ‐

Da war’s gescheh’n um dich, Gesell’!

Kömmt mir der Tag in die Gedanken,

möcht’ ich noch einmal rückwaÅNrts seh’n,

möcht’ ich zurücke wieder wanken,

vor ihrem Hause stille steh’n.

8. Looking Back

It is burning hot under both my feet,

though I am walking on ice and snow;

I would rather not draw breath again

until the towers are out of sight.

I bruised myself on every stone,

so did I hurry out of the town.

The crows threw snowballs and hail

onto my hat from every roof.

How otherwise did you welcome me,

you town of inconstancy!

At your bright windows sang

the lark vying with the nightingale.

The plump lime trees were in bloom,

the clear streams babbled brightly,

and alas, two girlish eyes were glowing!—

then you were done for, lad!

Whenever that day comes to mind,

I long to look back once more,

long to stumble back again

and stand in silence outside her house.

9. Irrlicht

In die tiefsten Felsengründe

lockte mich ein Irrlicht hin:

Wie ich einen Ausgang finde,

liegt nicht schwer mir in dem Sinn.

Bin gewohnt das Irregehen,

‘s führt ja jeder Weg zum Ziel:

Unsre Freuden, unsre Wehen,

alles eines Irrlichts Spiel!

Durch des Bergstroms trock’ne Rinnen

wind’ ich ruhig mich hinab,

jeder Strom wird’s Meer gewinnen,

jedes Leiden auch ein Grab.

9. Will ‘o the Wisp

Into deepest clefts of rock

a will o’ the wisp enticed me.

How I shall find my way out

does not weigh heavily on my mind.

I am used to going astray:

every path leads to its destination.

Our joys, our sorrows

are all the toys of a will o’ the wisp!

Along the mountain stream’s dry bed

I wend calmly downward.

Every stream will reach the sea;

every sorrow too its grave.

10. Rast

Nun merk’ ich erst, wie müd’ ich bin,

da ich zur Ruh’ mich lege:

das Wandern hielt mich munter hin

auf unwirtbarem Wege.

Die Füsse frugen nicht nach Rast,

es war zu kalt zum Stehen;

der Rücken fühlte keine Last,

der Sturm half fort mich wehen.

In eines Köhlers engem Haus

hab’ Obdach ich gefunden;

doch meine Glieder ruh’n nicht aus:

So brennen ihre Wunden.

Auch du, mein Herz, in Kampf und

Sturm

so wild und so verwegen,

fühlst in der Still’ erst deinen Wurm

mit heißem Stich sich regen!

10. Resting

I only notice now how tired I am,

as I lie down to rest.

Walking kept my spirits up

along an inhospitable road.

My feet did not ask for rest—

it was too cold to stand still;

my back felt no burden,

the storm helped to blow me along.

In a charcoal‐burner’s tiny hut

I have found shelter.

But my limbs will not take their ease,

their wounds are burning so.

You too, my heart, in struggle and

storm

so wild and so untamed,

now in the stillness feel the serpent within

rear up with its searing sting.

11. Frühlingstraum

Ich träumte von bunten Blumen,

so wie sie wohl blühen im Mai;

ich träumte von grünen Wiesen,

von lustigem Vogelgeschrei.

Und als die Hähne krähten,

da ward mein Auge wach;

da war es kalt und finster,

es schrieen die Raben vom Dach.

Doch an den Fensterscheiben,

wer malte die Blätter da?

Ihr lacht wohl über den Träumer,

der Blumen im Winter sah?

Ich träumte von Lieb’ um Liebe,

von einer schönen Maid,

von Herzen und von Küssen,

von Wonn’ und Seligkeit.

Und als die Hähne kräten,

da ward mein Herze wach;

nun sitz ich hier alleine

und denke dem Traume nach.

Die Augen schließ’ ich wieder,

noch schlägt das Herz so warm.

Wann grünt ihr Blätter am Fenster?

Wann halt’ ich mein Liebchen im Arm?

11. Dream of Springtime

I dreamed of bright flowers

such as blossom in May;

I dreamed of green meadows

and the calling of birds.

And when the cocks crew,

my eyes opened;

it was cold and dark,

on the roof the ravens croaked.

But on the window panes

who had been painting leaves?

Well may you laugh at the dreamer

who saw flowers in winter.

I dreamed of love for love,

of a fair maiden,

of hearts and kisses,

of bliss and ecstasy.

And when the cocks crew

my heart opened:

now all alone I sit here

and ponder my dream.

I close my eyes again:

my heart still beats as warmly.

When will you leaves at the window be green?

When will I hold my darling in my

arms?

12. Einsamkeit

Wie eine trübe Wolke

durch heit’re Lüfte geht,

wenn in der Tanne Wipfel

ein mattes Lüftchen weht:

So zieh ich meine Straße

dahin mit trägem Fuß,

durch helles, frohes Leben,

einsam und ohne Gruß.

Ach, daß die Luft so ruhig!

Ach, daß die Welt so licht!

Als noch die Stürme tobten,

war ich so elend nicht.

12. Loneliness

Like a mournful cloud

passing through clear sky

when through the fir tops

a gentle breeze blows,

so I wend my way

onward with halting step

through bright, happy life

lonely and ungreeted.

Pity the air is so calm,

pity the world is so bright!

When the storms still howled

I was not so miserable.

13. Die Post

Von der Straße her ein Posthorn

klingt.

Was hat es, daß es so hoch aufspringt,

mein Herz?

Die Post bringt keinen Brief für dich.

Was drängst du denn so wunderlich,

mein Herz?

Nun ja, die Post kömmt aus der Stadt,

wo ich ein liebes Liebchen hatt’,

mein Herz!

Willst wohl einmal hinüberseh’n

und fragen, wie es dort mag geh’n,

mein Herz?

13. The Post‐Coach

Up from the street a posthorn blows.

What is it that makes you beat so fast,

my heart?

The post‐coach brings you no letter;

then why do you throb so strangely,

my heart?

Ah yes, the post comes from the town

where I had a best beloved,

my heart!

Do you just want to peep across

and ask how things are going there,

my heart?

14. Der griese Kopf

Der Reif hatt’ einen weißen Schein

mir übers Haar gestreuet;

da glaubt’ ich schon ein Greis zu sein

Und hab’ mich sehr gefreuet.

Doch bald ist er hinweggetaut,

hab’ wieder schwarze Haare,

daß mir’s vor meiner Jugend graut ‐

wie weit noch bis zur Bahre!

Vom Abendrot zum Morgenlicht

ward mancher Kopf zum Greise.

Wer glaubt’s? und meiner ward es nicht

auf dieser ganzen Reise!

14. The Hoary Head

There was a white coat of frost

spread over my hair.

It made me think I was already old,

which made me very glad.

But soon it thawed away

and my hair is black again.

Now my youthfulness appals me:

how far still to the funeral bier!

Between dusk and dawn

many a head has turned white.

Who believes it? Mine has not

this whole journey through!

15. Die Krähe

Eine Krähe war mit mir

Aus der Stadt gezogen,

Ist bis heute für und für

Um mein Haupt geflogen.

Krähe, wunderliches Tier,

Willst mich nicht verlassen?

Meinst wohl, bald als Beute hier

Meinen Leib zu fassen?

Nun, es wird nicht weit mehr geh’n

An dem Wanderstabe.

Krähe, laß mich endlich seh’n,

Treue bis zum Grabe!

15. The Crow

A crow was with me

coming out of town.

Back and forth till now it

has flown above my head.

Crow, curious creature,

will you not forsake me?

Have you prey in mind here soon,

when you seize my body?

Well, there is not far to go

for my stick and me.

Crow, let me at last behold

fidelity to the grave!

16. Letzte Hoffnung

Hie und da ist an den Bäumen

manches bunte Blatt zu seh’n,

und ich bleibe vor den Bäumen

oftmals in Gedanken steh’n.

Schaue nach dem einen Blatte,

hänge meine Hoffnung dran;

spielt der Wind mit meinem Blatte,

zittr’ ich, was ich zittern kann.

Ach, und fällt das Blatt zu Boden,

fällt mit ihm die Hoffnung ab;

fall’ ich selber mit zu Boden,

wein’ auf meiner Hoffnung Grab.

16. Last Hope

Here and there on trees

a colored leaf or so is seen.

And I stand in front of the trees

often, sunk in thought.

I gaze at one leaf,

hang my hopes upon it;

if the wind toys with my leaf

I tremble to my trembling’s limit.

Ah! if the leaf falls to the ground,

my hopes tumble with it.

I fall to the ground myself,

weep at the tomb of my hopes.

17. Im Dorfe

Es bellen die Hunde,

es rascheln die Ketten;

es schlafen die Menschen in ihren Betten,

träumen sich manches,

was sie nicht haben,

tun sich im Guten und Argen erlaben:

Und morgen früh ist alles zerflossen.

Je nun, sie haben ihr Teil genossen

und hoffen, was sie noch übrig ließen,

doch wieder zu finden auf ihren Kissen.

Bellt mich nur fort, ihr wachen Hunde,

laßt mich nicht ruh’n

in der Schlummerstunde!

Ich bin zu Ende mit allen Träumen—

was will ich unter den Schläfern säumen?

17. In the Village

Dogs are barking,

their chains are rattling.

People are asleep in their beds.

They dream of plenty

that they have not,

find both good and evil to refresh them:

and next morning it has all vanished.

But then, they have enjoyed their share

and hope was left over

will still be found on their pillows.

Bark me away, you watchdogs!

Let me not rest

in these hours of slumber!

I am done with all dreaming;

why linger among those asleep?

18. Der stümische Morgen

Wie hat der Sturm zerrissen

des Himmels graues Kleid!

Die Wolkenfetzen flattern

umher im matten Streit.

Und rote Feuerflammen

zieh’n zwischen ihnen hin;

Das nenn’ ich einen Morgen

so recht nach meinem Sinn!

Mein Herz sieht an dem Himmel

gemalt sein eig’nes Bild ‐

es ist nichts als der Winter,

der Winter, kalt und wild!

18. The Stormy Morning

How the storm has torn

the grey mantle of heaven!

The wisps of cloud flutter

about, jostling feebly.

And tongues of red fire

flicker among them.

I reckon this a morning

to match my frame of mind!

My heart sees in the sky

its own painted portrait.

It is nothing but winter,

winter chill and savage.

19. Täuschung

Ein Licht tanzt freundlich vor mir her,

ich folg’ ihm nach die Kreuz und Quer;

ich folg’ ihm gern und seh’s ihm an,

daß es verlockt den Wandersmann.

Ach! wer wie ich so elend ist,

gibt gern sich hin der bunten List,

die hinter Eis und Nacht und Graus

ihm weist ein helles, warmes Haus.

und eine liebe Seele drin ‐

nur Täuschung ist für mich Gewinn!

19. Pretence

A friendly light dances in front of me;

I follow it hither and thither.

Follow it gladly and watch its course

as it lures the traveler onward.

Ah, anybody as wretched as I

gladly falls for such colorful trickery

as, beyond ice and night and misery,

it shows him a cheerful, warm house,

and within it a soul dear to him—

my only success is in pretence!

20. Der Wegweiser

Was vermeid’ ich denn die Wege,

wo die ander’n Wand’rer gehn,

suche mir versteckte Stege

durch verschneite Felsenhöh’n?

Habe ja doch nichts begangen,

daß ich Menschen sollte scheu’n, ‐

welch ein törichtes Verlangen

treibt mich in die Wüstenei’n?

Weiser stehen auf den Strassen,

weisen auf die Städte zu,

und ich wand’re sonder Maßen

ohne Ruh’ und suche Ruh’.

Einen Weiser seh’ ich stehen

unverrückt vor meinem Blick;

eine Straße muß ich gehen,

die noch keiner ging zurück.

20. The Signpost

Why do I pass the highways by

that other travelers take,

to seek out hidden tracks

through snowbound rocky heights?

I have done no wrong

that I should shun mankind.

What senseless craving

drives me into the wilderness?

Signposts stand on the roads,

point towards towns.

Yet I wander on and on,

unresting, in search of rest.

One signpost I see stand there,

steadfast before my gaze.

One road I must travel

by which no‐one ever came back.

21. Das Wirtshaus

Auf einen Totenacker

hat mich mein Weg gebracht;

Allhier will ich einkehren,

hab’ ich bei mir gedacht.

Ihr grünen Totenkränze

könnt wohl die Zeichen sein,

die müde Wand’rer laden

ins kühle Wirtshaus ein.

Sind denn in diesem Hause

die Kammern all’ besetzt?

Bin matt zum Niedersinken,

bin tödlich schwer verletzt.

O unbarmherz’ge Schenke,

doch weisest du mich ab?

Nun weiter denn, nur weiter,

mein treuer Wanderstab!

21. The Tavern

To a graveyard

my path has brought me.

Here I will lodge,

I thought to myself.

You verdant funeral wreaths

could well be signs

that invite weary travelers

into the cool inn.

But in this house are

the rooms all occupied?

I am tired enough to drop,

sick unto death.

Pitiless tavern,

do you turn me away?

Then onward, lead me onward,

my trusty staff!

22. Mut!

Fliegt der Schnee mir ins Gesicht,

schüttl’ ich ihn herunter.

Wenn mein Herz im Busen spricht,

sing’ ich hell und munter.

Höre nicht, was es mir sagt,

habe keine Ohren;

fühle nicht, was es mir klagt,

Klagen ist für Toren.

Lustig in die Welt hinein

gegen Wind und Wetter!

Will kein Gott auf Erden sein,

sind wir selber Götter!

22. Pluck

When the snow flies in my face,

I brush it away;

when my heart exclaims in my breast,

I sing bright and cheery.

Don’t hear what it tells me,

have no ears for that,

don’t feel its complaining—

complaining is for fools.

Merrily off into the world,

spite all wind and weather!

If we can’t have gods on earth,

we are gods ourselves.

23. Die Nebensonnen

Drei Sonnen sah ich am Himmel steh’n,

hab’ lang und fest sie angeseh’n;

und sie auch standen da so stier,

als könnten sie nicht weg von mir.

Ach, meine Sonnen seid ihr nicht!

Schaut Andren doch ins Angesicht!

Ja, neulich hatt’ ich auch wohl drei;

nun sind hinab die besten zwei.

Ging nur die dritt’ erst hinterdrein!

Im Dunkeln wird mir wohler sein.

23. The Phantom Suns

I saw three suns stand in the sky.

I watched them long and fixedly.

And they stood there as blank and bright

as if they would not leave my sight.

Alas, you cannot be my suns!

Turn then, and gaze at other ones!

Not long ago I’d three of my own;

but now the best two have gone down.

Would that the third might disappear!

In darkness I would better fare.

24. Der Leiermann

Drüben hinterm Dorfe

steht ein Leiermann

und mit starren Fingern

dreht er, was er kann.

Barfuß auf dem Eise

wankt er hin und her

und sein kleiner Teller

bleibt ihm immer leer.

Keiner mag ihn hören,

keiner sieht ihn an,

und die Hunde knurren

um den alten Mann.

Und er läßt es gehen

alles, wie es will,

dreht und seine Leier

steht ihm nimmer still.

Wunderlicher Alter,

soll ich mit dir geh’n?

Willst zu meinen Liedern

deine Leier dreh’n?

24. The Hurdy‐Gurdy Man

Just beyond the village

stands a hurdy‐gurdy man,

and with numb fingers

he plays as best he can.

Barefoot on the ice

he totters to and fro,

and his little plate

has no reward to show.

No‐one wants to listen,

no‐one takes a scan,

and the dogs all growl

around the aged man.

And he lets it happen,

as it always will,

grinds his hurdy‐gurdy;

it is never still.

Curious old fellow,

shall I go with you?

When I sing my songs,

will you play your hurdy‐gurdy too?

https://hampsongfoundation.org/resource/winterreise-texts-and-translations/

One Response to “WINTERREISE 2017”

  1. SOMEWHERE TO CELEBRATE | Says:

    […] NEHWYREVE WINTERREISE 2017 […]

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